Historische Ansichtskarten aus dem Wiesental

Historische Ansichtskarten sind weit mehr als schöne Bilder aus vergangenen Zeiten. Sie zeigen Orte, Landschaften und Lebenswelten, die sich seither stark verändert haben. Zugleich erzählen sie von persönlichen Beziehungen, Unternehmungen, Reisen und den Lebensumständen ihrer Absenderinnen und Absender.

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Seite der Zeller Archive auf der CatalogIt-HUB-Plattform – Foto: Zeller Archive e.V.

Zwei frühe Postkarten an Albert Köchlin in Zell aus München vom 13. Juni 1888 (oben) und aus Erfurt vom 3.3.1873 (Privatarchiv).
Seite mit der Adresse einer Prägekarte von 1904 (ZA AK-0185).
Bildseite der Prägekarte von 1904 (ZA AK-0185).

Ansichtskarte oder Postkarte?

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe häufig gleich verwendet. Historisch gesehen lässt sich jedoch unterscheiden: 

Die Postkarte wird seit Ende der 1860er Jahre verschickt. Sie wurde mit aufgedrucktem Postwertzeichen verkauft und diente vor allem der Übermittlung kurzer geschäftlicher Mitteilungen.

Die Ansichtskarte besitzt – wie der Name schon sagt – eine Bildseite, beispielsweise mit einer Ortsansicht, einer Landschaft oder einem anderen Motiv. Heute ist die andere Seite in einen Bereich für Text und einen Bereich für Adresse und Frankierung unterteilt.

Bei frühen Ansichtskarten war die postalische Seite hingegen ausschließlich der Adresse des Empfängers, dem Postwertzeichen und dem Poststempel vorbehalten

Die Abbildung zierte die Rückseite, auf der die Absenderinnen und Absender ihre Grüße oftmals gerade noch unterbringen konnten. Für „Vielschreiber“ war dies jedoch wenig geeignet, wie zahlreiche Karten zeigen, bei denen der Text in die Abbildung hineingeschrieben wurde.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine große Vielfalt an Themen- und Motivkarten, wie wir sie bis heute kennen.

Funktionen

Allein die große Zahl erhaltener historischer Ansichtskarten zeugt vom Bedürfnis nach sozialer Kommunikation. Häufig beginnen die Mitteilungen mit einem Dank für die erhaltene Post oder mit der Entschuldigung, lange nicht geschrieben zu haben. Es scheint selbstverständlich gewesen zu sein, den Kontakt auch schriftlich zu pflegen.

Aus diesem Blickwinkel lässt sich die Funktion der Ansichtskarte durchaus mit der heutiger Messenger-Dienste vergleichen. Das Versenden von Fotos, Mitteilungen und persönlichen Botschaften findet seine Parallele in den Bildern und Texten der damaligen Karten.

Auswahl von gängigen Messenger-Diensten im Jahre 2026 – Foto: Zeller Archive e.V.
Seite mit Ansicht und Mitteilung (ZA AK-186).

Themen und Motive

Der Reichtum an Motiven und gestalterischen Mitteln, die Originalität und der Einfallsreichtum sind kaum zu überblicken. Ansichtskarten waren bereits bei den Zeitgenossen beliebte Sammelobjekte – und sind es bis heute geblieben.

Das Spektrum reicht von Karten zu Geburts- und Namenstagen, Weihnachten, Neujahr, Ostern und Pfingsten über Glückwünsche zu Geburt und Heirat bis hin zu Karten für Kinder und Erwachsene – heiter, niedlich, ernst oder romantisch. Auch besondere Ereignisse wie Schulabschlüsse, Vereinsjubiläen, Gewerbeschauen oder der Flug eines Zeppelins wurden auf Ansichtskarten festgehalten.

Und nicht zuletzt zeigen unzählige Karten Ansichten von Orten, Landschaften, Bauwerken und Sehenswürdigkeiten.

Topografische Karten aus dem Wiesental

Hauptsächlich beherbergt die Sammlung topografische Ansichtskarten, die früh in grosser Anzahl hergestellt worden sind u.z. sowohl von überregionalen , grossen Verlagen wie auch von lokalen – in Zell, Schönau, Schopfheim und Lörrach. Ein Schwerpunkt liegt auf Karten, die Fabriken zeigen, hauptsächlich solche der Textilindustrie.

Mit der Auswahl des Bildes ist eine wortlose Mitteilung verbunden, die einen direkten Bezug zur absendenden Person hat: Was sie persönlich an ihrem Aufenthaltsort für charakteristisch, wichtig oder schön empfindet. Und – Karten können Stimmungen transportieren.

Ansichtsseite mit Reliefkarte des Oberen Wiesentals von 1921 (ZA AK-0187).
Sogenannte Mondscheinkarte von 1899 (ZA AK-0012).

Versandte Ansichtskarten als Ganzes betrachtet

Allein schon die Wahl des Motivs, Absende- und Zielort sowie das Datum lassen die Absenderinnen und Absender als Personen hervortreten. Zusammen mit den Texten sind dies Indizien, ob Ferien, Arbeit, Krankheit oder familiäre Bande der Anlass ihres Aufenthalts waren, und wo ihre Kontaktpersonen lebten.

Manches lässt sich zwischen den Zeilen erahnen – etwa wenn eine Tochter eine gefühlvolle Mondscheinkarte verschickt, auf der sie ihrem Vater schreibt:

„Lieber Vater! Herzlichen Dank für die schöne Karte von Br. freute mich sehr dass Ihr an mich denkt wie ich an Euch alle …“

Texte verdienen unsere Aufmerksamkeit

Die Mitteilungen selbst können weit über einen einfachen Gruß hinausgehen. Und auch schon das Schriftbild, die Wortwahl und die verwendeten Formulierungen vermitteln einen Eindruck von der schreibenden Person.

Schilderungen persönlicher Anliegen und Lebenssituationen spiegeln zugleich die sozialen und politischen Umstände wider, in denen die Menschen lebten. Hinter manchen Zeilen lassen sich ganze Geschichten erahnen – anderes spricht für sich selbst.

„Zell i/W, den 10/1 1915. …..lazarett Meine Lieben … mit freundl. Gruss und Kuss an alle ein Exemplar unserer neusten Aufnahme … Theo …“ (Transkription in der ursprünglichen Schreibweise).

Die Beschäftigung mit diesen kleinen, bebilderten Karten kann Momente der Nähe und Verbundenheit mit Menschen schaffen, die vor unserer Zeit gelebt haben. Trotz aller Unterschiede zwischen Gegenwart und Vergangenheit entsteht so ein Bogen, der Verbindungen herstellt und Kontinuität erfahrbar macht.

 

Schriftseite einer Echtfotokarte von 1915 (ZA AK-0099).
Bildseite der Echtfotokarte von 1915 (ZA AK-0099).

Links zu Sammlungen von historischen Ansichtskarten

Einen Streifzug durch die Geschichte der Post- und Ansichtskarten zeigte vom 21. August 2019 bis 2. Februar 2020 das Museum für Kommunikation Berlin: „Mehr als Worte. 150 Jahre Postkartengrüsse“ stellte 500 Karten aus der sage und schreibe 200 000 Karten umfassenden Sammlung der „Museumstiftung Post und Telekommunikation“ aus.

-> Ausstellung im Museum für Kommunikation Berlin

Das Archiv „Historische Bildpostkarten – Universität Osnabrück“ zeigt bislang über 23 000 historischen Bildpostkarten (aus einem Bestand von zirka 40 000) aus der Zeit vor 1945.
Eine Vielzahl von Themen – Musik, Kunst und Literatur, Werbung, Propaganda und historische Ereignissen – können durchsucht und als Digitalisate angeschaut werden. umfassenden Sammlung der „Museumstiftung Post und Telekommunikation“ aus.

-> Historische Bildpostkarten – Universität Osnabrück

Ihr vergleichsweise „kleines“ privates Archiv mit 1019 Ansichtskarten präsentieren die Sammler auf der Seite „Historische Ansichtskarten von Laupheim“.
Sie haben jede Karte geografisch verortet und mit Stichworten versehen.

-> Historische Ansichtskarten von Laupheim

Die „Postkartensammlung GrazMuseum Online“ zeigt ihren gesamten Bestand von zirka 9000 Stück. Darüber hinaus liefert die Seite wertvolle Informationen zu den historischen Herstellungstechniken, zur Verbreitung, und den produzierten Mengen.
Besonders ist das Portrait einer Sammlung von 26 Grazer Stadtansichten, die einer Julia gehörten.

-> Postkartensammlung GrazMuseum Online

Die Website güstrow-history.de dokumentiert ausführlich die Topografie, Geschichte und Umgebung der Stadt Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Darüber hinaus bietet sie umfangreiche Informationen zu historischen Ansichten auf alten Fotografien und Postkarten ab 1890.
Besonders wertvoll ist das auf jahrelangen Recherchen beruhende Lexikon der Verlage und Fotografen, die an der einst florierenden Produktion von Ansichtskarten beteiligt waren.

-> Güstrow – Historische Ansichten

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