Historische Ansichtskarten aus dem Wiesental
Historische Ansichtskarten sind weit mehr als schöne Bilder aus vergangenen Zeiten. Sie zeigen Orte, Landschaften und Lebenswelten, die sich seither stark verändert haben. Zugleich erzählen sie von persönlichen Beziehungen, Unternehmungen, Reisen und den Lebensumständen ihrer Absenderinnen und Absender.
Über den Link gelangen Sie direkt zu unserem kleinen digitalen Museum mit historischen Ansichtskarten aus dem Wiesental.
Die Sammlung in CatalogIt wird kontinuierlich erweitert.
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Ansichtskarte oder Postkarte?
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe häufig gleich verwendet. Historisch gesehen lässt sich jedoch unterscheiden:
Die Postkarte wurde ursprünglich mit aufgedrucktem Postwertzeichen verkauft und diente vor allem der Übermittlung kurzer geschäftlicher oder privater Mitteilungen.
Die Ansichtskarte besitzt – wie der Name schon sagt – eine Bildseite, beispielsweise mit einer Ortsansicht, einer Landschaft oder einem anderen Motiv. Heute ist die andere Seite in einen Bereich für Text und einen Bereich für Adresse und Frankierung unterteilt.
Bei frühen Ansichtskarten war die postalische Seite hingegen ausschließlich der Adresse des Empfängers, dem Postwertzeichen und dem Poststempel vorbehalten
Die Abbildung zierte die Rückseite, auf der die Absenderinnen und Absender ihre Grüße oftmals gerade noch unterbringen konnten. Für „Vielschreiber“ war dies jedoch wenig geeignet, wie zahlreiche Karten zeigen, bei denen der Text in die Abbildung hineingeschrieben wurde.
Im Laufe der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine große Vielfalt an Themen- und Motivkarten, wie wir sie bis heute kennen.
Funktionen, Themen und Motive
Allein die große Zahl erhaltener historischer Ansichtskarten zeugt vom Bedürfnis nach sozialer Kommunikation. Häufig beginnen die Mitteilungen mit einem Dank für die erhaltene Post oder mit der Entschuldigung, lange nicht geschrieben zu haben. Es scheint selbstverständlich gewesen zu sein, den Kontakt auch schriftlich zu pflegen.
Aus diesem Blickwinkel lässt sich die Funktion der Ansichtskarte durchaus mit der heutiger Messenger-Dienste vergleichen. Das Versenden von Fotos, Mitteilungen und persönlichen Botschaften findet seine Parallele in den Bildern und Texten der damaligen Karten.
Der Reichtum an Motiven und gestalterischen Mitteln, die Originalität und der Einfallsreichtum sind kaum zu überblicken. Ansichtskarten waren bereits bei den Zeitgenossen beliebte Sammelobjekte – und sind es bis heute geblieben.
Das Spektrum reicht von Karten zu Geburts- und Namenstagen, Weihnachten, Neujahr, Ostern und Pfingsten über Glückwünsche zu Geburt und Heirat bis hin zu Karten für Kinder und Erwachsene – heiter, niedlich, ernst oder romantisch. Auch besondere Ereignisse wie Schulabschlüsse, Vereinsjubiläen, Gewerbeschauen oder der Flug eines Zeppelins wurden auf Ansichtskarten festgehalten.
Und nicht zuletzt zeigen unzählige Karten Ansichten von Orten, Landschaften, Bauwerken und Sehenswürdigkeiten.



Topografische Karten aus dem Wiesental
Hauptsächlich beherbergt die Sammlung topografische Ansichtskarten, die früh in grosser Anzahl hergestellt worden sind u.z. sowohl von überregionalen , grossen Verlagen wie auch von lokalen – in Zell, Schönau, Schopfheim und Lörrach. Ein Schwerpunkt liegt auf Karten, die Fabriken zeigen, hauptsächlich solche der Textilindustrie.
Mit der Auswahl des Bildes ist eine wortlose Mitteilung verbunden, die einen direkten Bezug zur absendenden Person hat: Was sie persönlich an ihrem Aufenthaltsort für charakteristisch, wichtig oder schön empfindet. Und – Karten können Stimmungen transportieren.
Versandte Ansichtskarten als Ganzes betrachtet
Allein schon die Wahl des Motivs, Absende- und Zielort sowie das Datum lassen die Absenderinnen und Absender als Personen hervortreten. Zusammen mit den Texten sind dies Indizien, ob Ferien, Arbeit, Krankheit oder familiäre Bande der Anlass ihres Aufenthalts waren, und wo ihre Kontaktpersonen lebten.
Manches lässt sich zwischen den Zeilen erahnen – etwa wenn eine Tochter eine gefühlvolle Mondscheinkarte verschickt, auf der sie ihrem Vater schreibt:
„Lieber Vater! Herzlichen Dank für die schöne Karte von Br. freute mich sehr dass Ihr an mich denkt wie ich an Euch alle …“



Texte verdienen unsere Aufmerksamkeit
Die Mitteilungen selbst können weit über einen einfachen Gruß hinausgehen. Und auch schon das Schriftbild, die Wortwahl und die verwendeten Formulierungen vermitteln einen Eindruck von der schreibenden Person.
Schilderungen persönlicher Anliegen und Lebenssituationen spiegeln zugleich die sozialen und politischen Umstände wider, in denen die Menschen lebten. Hinter manchen Zeilen lassen sich ganze Geschichten erahnen – anderes spricht für sich selbst.
„Zell i/W, den 10/1 1915. …..lazarett Meine Lieben … mit freundl. Gruss und Kuss an alle ein Exemplar unserer neusten Aufnahme … Theo …“ (Transkription in der ursprünglichen Schreibweise).
Die Beschäftigung mit diesen kleinen, bebilderten Karten kann Momente der Nähe und Verbundenheit mit Menschen schaffen, die vor unserer Zeit gelebt haben. Trotz aller Unterschiede zwischen Gegenwart und Vergangenheit entsteht so ein Bogen, der Verbindungen herstellt und Kontinuität erfahrbar macht.
Urheberrecht und Datenschutz
Beim Umgang mit historischen Ansichtskarten beachten wir insbesondere folgende rechtliche Vorgaben:
1. Die hier veröffentlichten Ansichtskarten sind im Original entweder im Besitz der Zeller Archive e.V. oder aber, deren Eigentümer sind uns bekannt und haben der Veröffentlichung zugestimmt.
2. Wir veröffentlichen Ansichtskarten, deren Schutzrechte abgelaufen sind. Das betrifft den Daten- und Personenschutz sowie das Urheberrecht. Damit stehen wir in Übereinstimmung mit dem Gesetz zur Neuregelung des Landesarchivrechts vom 22. Juli 2025 (Gesetzblatt für Baden-Württemberg Nr. 70,2025 bes. §3 – Begriffsbestimmungen, §8 (2).
3. Bei Ansichtskarten mit Nennung des Urhebers recherchieren wir die Quelle bzw. den Rechtsnachfolger.
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