Geschichte entdecken
Unsere Zeittafel bietet einen chronologisch gegliederten Zugang zur Geschichte Deutschlands und des Wiesentals. Sie beginnt im Jahr 1850 und reicht bis 1949; weitere Zeitabschnitte werden schrittweise ergänzt.
Zu jeder Epoche finden Sie einen allgemeinen historischen Überblick und erfahren, wie sich überregionale Entwicklungen im Wiesental widerspiegelten. Historische Dokumente, Bilder, Objekte, Medien und Zeitzeugenberichte werden die Zeitafel nach und nach ergänzen.
Die zeitliche Gliederung hilft, Ereignisse und Entwicklungen einzuordnen und Zusammenhänge besser zu verstehen. Die gewählten Zeitgrenzen dienen dabei der Orientierung – historische Veränderungen vollzogen sich häufig während längerer Übergangsphasen.
1850-1870
1871-1914
1914-1918
1918-1933
1933-1939
1939-1945
1945-1949
Industrialisierung im Groß-
herzogtum
Baden
Deutsches Kaiserreich und industrielle Blütezeit
Erster
Weltkrieg
Weimarer Republik
NS-Diktatur
Zweiter
Weltkrieg
Besatzungs- und Nachkriegszeit
Der Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein hatte den Zugang zu einem grösseren Wirtschaftsraum erleichtert und die industrielle Entwicklung begünstigt. Kapital, technisches Wissen und neue Produktionsverfahren ermöglichten die Ausweitung bestehender Betriebe und die Gründung neuer Unternehmen. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes verbesserte den Transport von Rohstoffen und Waren und verband die badischen Industrieregionen zunehmend miteinander.
Textilunternehmer aus dem Elsass und der Schweiz brachten technisches Wissen und unternehmerische Erfahrung in das Wiesental ein. Basler Unternehmer und Banken stellten Kapital zur Verfügung. Sie gründeten, übernahmen oder erweiterten Spinnereien und Webereien und konnten durch die Produktion innerhalb des Deutschen Zollvereins Zollschranken beim Absatz auf den deutschen Märkten umgehen.
Die wachsende Textilindustrie bot immer mehr Menschen Arbeit und zog zusätzliche Arbeitskräfte in die Region. Dadurch entstand eine zunehmend bedeutende Schicht von Fabrikarbeiterinnen und Fabrikarbeitern. Zugleich wurde die Wasserkraft der Wiese und ihrer Zuflüsse intensiver genutzt, um die Produktion auszuweiten. Mit der Eröffnung der Bahnstrecke von Basel über Lörrach nach Schopfheim im Jahr 1862 begann die verkehrstechnische Erschliessung des Wiesentals. Zell erhielt 1876 einen Bahnanschluss.
Das Deutsche Reich wurde am 18. Januar 1871 gegründet. Noch während des Deutsch-Französischen Krieges wurde der preussische König Wilhelm I. im Spiegelsaal des Schlosses Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Das neu entstandene Kaiserreich entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer bedeutenden europäischen Industrie- und Wirtschaftsmacht.
Die florierende Textilindustrie begünstigte die Gründung zahlreicher Zulieferbetriebe. Bestehende Fabrikareale wurden erweitert und neue, mehrgeschossige Produktionsgebäude errichtet. Die zunehmende Elektrifizierung erleichterte den Betrieb der Maschinen und verringerte durch den Ersatz offener Flammen und älterer Beleuchtungsformen einen Teil der Brandgefahr in den Fabriken.
Der Ausbau der Eisenbahn verbesserte die Versorgung der Betriebe mit Rohstoffen, insbesondere mit Baumwolle, und erleichterte den Absatz der hergestellten Waren. Mit der Verlängerung der Wiesentalbahn erhielt Zell 1876 einen Bahnanschluss. 1889 wurde die Schmalspurbahn von Zell nach Todtnau eröffnet, die auch das obere Wiesental für den Personen- und Güterverkehr erschloss.
Zugleich kamen mit der Bahn vermehrt Feriengäste und Erholungssuchende in die Region. Repräsentative öffentliche Gebäude, Fabrikantenvillen und weitere private Bauten zeugen von der wirtschaftlichen Blütezeit, die das Erscheinungsbild mancher Städte und Gemeinden bis heute prägt.
Der Erste Weltkrieg begann am 28. Juli 1914 mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien. Auslöser war das Attentat von Sarajevo, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie am 28. Juni 1914 ermordet worden waren. In den folgenden Wochen weitete sich der Konflikt durch Bündnisverpflichtungen, Mobilmachungen und gegenseitige Kriegserklärungen zu einem europäischen Krieg aus.
Den Mittelmächten Deutschland und Österreich-Ungarn standen zunächst vor allem Frankreich, Russland und Grossbritannien gegenüber. Italien gehörte zwar zum Dreibund mit Deutschland und Österreich-Ungarn, blieb 1914 jedoch zunächst neutral und trat 1915 aufseiten der Entente in den Krieg ein. Der Krieg wurde bald auch ausserhalb Europas und in den Kolonien geführt.
Die Mobilmachung und die Einberufung von Reservisten sowie weiterer, zunehmend jüngerer und älterer Jahrgänge entzogen den Betrieben und der Landwirtschaft einen grossen Teil ihrer männlichen Arbeitskräfte. Frauen übernahmen deshalb in wachsendem Umfang Tätigkeiten in Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft.
Die kriegsbedingten Einschränkungen der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion sowie die zunehmende Rohstoff- und Lebensmittelknappheit führten zu erheblichen Versorgungsengpässen. Grössere Betriebe stellten Teile ihrer Produktion auf kriegswichtige Güter und Rüstungserzeugnisse um. Dadurch konnten sie Produktionsrückgänge teilweise ausgleichen und ihren wirtschaftlichen Fortbestand sichern.
Die militärische Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg verschärfte im Herbst 1918 den innen- und aussenpolitischen Druck auf die Monarchie. Am 9. November 1918 verkündete Reichskanzler Max von Baden die Abdankung Kaiser Wilhelms II. und übergab die Regierungsgeschäfte an Friedrich Ebert. Am selben Tag rief Philipp Scheidemann in Berlin die Republik aus. Die formelle Abdankung des Kaisers erfolgte am 28. November 1918.
Mit der Weimarer Verfassung von 1919 entstand die erste parlamentarische Demokratie Deutschlands. Ihr Bestand wurde jedoch von Anfang an durch politische Gewalt, antidemokratische Kräfte und tiefe gesellschaftliche Gegensätze gefährdet. Häufig wechselnde Regierungskoalitionen, die Folgen des Krieges, die Inflation von 1923 und später die Weltwirtschaftskrise erschwerten eine stabile Regierungsbildung. Ab 1930 wurde das Parlament zunehmend durch Präsidialkabinette und Notverordnungen umgangen. Dadurch verlor die Demokratie weiter an Rückhalt. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 begann ihre endgültige Zerstörung durch die Nationalsozialisten.
Das Erstarken der Kommunistischen Partei Deutschlands war besonders in den Industriebetrieben spürbar und wurde von Unternehmern sowie bürgerlich-konservativen Kreisen als Bedrohung wahrgenommen. Akute Lebensmittelknappheit, vergleichsweise niedrige Löhne in der Textilindustrie und die fortschreitende Geldentwertung verschärften die soziale Not. Im Herbst 1923 entluden sich die Spannungen im sogenannten Oberbadischen Aufstand. Demonstrationen und Streiks erfassten neben Lörrach auch die Industrieorte des Wiesentals; teilweise kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.
Nach 1924 setzte eine vorübergehende wirtschaftliche Erholung ein. Der Börsenkrach in den USA im Herbst 1929, der Abzug ausländischer Kredite und der Einbruch der Nachfrage leiteten jedoch eine schwere Wirtschaftskrise ein. Auch im stark von der Textilindustrie geprägten Wiesental führten Produktionsrückgänge und Arbeitslosigkeit zu einer erneuten Verschärfung der sozialen Not.
Armut, Arbeitslosigkeit und der zunehmende Vertrauensverlust in die demokratischen Institutionen begünstigten die politische Radikalisierung. Rechts- und linksextreme Parteien – insbesondere NSDAP und KPD – gewannen an Zustimmung.
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Hitler stand zunächst einer rechtsnationalen Koalitionsregierung aus NSDAP und DNVP vor. In den folgenden Monaten setzte die nationalsozialistische Führung mithilfe der Reichstagsbrandverordnung und des Ermächtigungsgesetzes wesentliche Grundrechte ausser Kraft, beseitigte die parlamentarische Demokratie und verfolgte politische Gegner. Durch die Gleichschaltung von Staat und Gesellschaft festigte die NSDAP ihre Herrschaft und errichtete innerhalb kurzer Zeit eine Diktatur.
Auch im Wiesental wurden Verwaltung, Vereine und gesellschaftliche Organisationen gleichgeschaltet. Die freien Gewerkschaften wurden zerschlagen und durch die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront ersetzt. Wirtschafts- und Berufsverbände wurden in das Herrschaftssystem eingebunden, während staatliche Vorgaben die unternehmerische Freiheit zunehmend einschränkten und die Wirtschaft auf Aufrüstung und Krieg vorbereiteten.
Politische Parteien wurden verboten oder zur Selbstauflösung gezwungen. Politisch Andersdenkende verloren ihre öffentlichen Ämter, wurden überwacht, verfolgt und teilweise inhaftiert. Jüdinnen und Juden wurden systematisch ausgegrenzt, entrechtet und verfolgt. Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen wurden als „erbkrank“ diffamiert, zwangsweise sterilisiert und aus der Gesellschaft ausgeschlossen.
Die nationalsozialistische Herrschaft griff immer stärker in den Alltag ein: durch die Deutsche Arbeitsfront, nationalsozialistische Vereine und Jugendorganisationen, die Kontrolle des öffentlichen Lebens sowie eine allgegenwärtige Propaganda. Dadurch entstanden Anpassungsdruck und Angst vor jeder Abweichung vom propagierten nationalsozialistischen Menschen- und Gesellschaftsbild.
Der Zweite Weltkrieg begann in Europa mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939. Zwei Tage später erklärten Frankreich und das Vereinigte Königreich dem Deutschen Reich den Krieg. Zu den führenden Mächten der Alliierten gehörten zunächst Frankreich und das Vereinigte Königreich mit den Staaten des Commonwealth. Frankreich wurde 1940 militärisch besiegt und teilweise von Deutschland besetzt; der Widerstand wurde von den „Freien Französischen Streitkräften“ fortgeführt. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 und dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 bildeten das Vereinigte Königreich, die Sowjetunion und die USA die wichtigsten Mächte der alliierten Kriegskoalition.
Die Einberufung zahlreicher Männer zum Kriegsdienst entzog den Betrieben einen erheblichen Teil ihrer Arbeitskräfte. Dadurch nahm die Bedeutung der Frauen für die Aufrechterhaltung der Produktion weiter zu. Zugleich wurden zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter – darunter Menschen aus dem Elsass – sowie Kriegsgefangene in den Betrieben eingesetzt. Wie bereits während des Ersten Weltkriegs stellten grosse Unternehmen Teile ihrer Produktion auf kriegswichtige Güter und Rüstungserzeugnisse um. Dies trug zugleich zu ihrem wirtschaftlichen Fortbestand bei.
Mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht endete am 8. Mai 1945 der Zweite Weltkrieg in Europa. Deutschland wurde auf der Grundlage seiner Grenzen von 1937 in vier Besatzungszonen aufgeteilt, die von den Siegermächten USA, Sowjetunion, Grossbritannien und Frankreich verwaltet wurden. Die deutschen Gebiete östlich von Oder und Neisse wurden jedoch unter polnische beziehungsweise sowjetische Verwaltung gestellt. Auch Berlin wurde in vier Besatzungssektoren unterteilt.
Die sogenannte Entnazifizierung hatte zum Ziel, Deutschland und Österreich von nationalsozialistischen Einflüssen zu befreien und ehemalige Nationalsozialisten aus einflussreichen Positionen in Staat und Gesellschaft zu entfernen.
Das Wiesental gehörte zur französischen Besatzungszone. Die französische Militärregierung mit Sitz in Baden-Baden bestimmte die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten verschärfte die ohnehin bestehende Wohnungsnot. Zugleich führten die unzureichende Versorgung mit Nahrungsmitteln und die schwierigen Lebensbedingungen zu Krankheiten und erhöhter Sterblichkeit.
Im Zuge der Entnazifizierung und der strafrechtlichen Verfolgung von Verbrechen während der nationalsozialistischen Herrschaft kam es auch zu Anschuldigungen und Denunziationen aus persönlichen Motiven. Davon zeugen unter anderem Akten, die heute im Staatsarchiv Freiburg aufbewahrt werden.
