Gefallene und Vermisste des Oberen Wiesentals
Es sind viele Namen, die der Krieg hinterlassen hat.
Eingemeißelt in Stein, verzeichnet in Listen, bewahrt in Archiven.
Doch ein Name ist nie nur ein Name. Hinter jedem steht ein Mensch – ein Sohn, ein Vater, ein Bruder. Ein Leben, das jäh abgebrochen wurde.
Die Gefallenen sind sichtbar. Ihre Namen stehen auf den Denkmälern.
Die Vermissten dagegen bleiben oft ohne Spur. Ihr Schicksal ist ungeklärt, ihr Ende unbekannt.
Für die Familien bedeutete das nicht nur Verlust, sondern oft ein jahrelanges Warten zwischen Hoffnung und Verzweiflung.
Auch im Oberen Wiesental von Todtnau bis Zell haben die beiden Weltkriege tiefe Wunden hinterlassen. Viele sind nicht zurückgekehrt. Mit jedem Namen droht die Erinnerung zu verblassen.
Diese Themenseite der Zeller Archive erinnert und versucht, aus Namen wieder Menschen werden zu lassen, ihre Geschichten sichtbar zu machen und das zu bewahren, was geblieben ist.
Die Gefallenen und Vermissten sind nicht vergessen.
Das Gefallenendenkmal auf dem Friedhof von Zell
Der städtische Friedhof liegt an der Verbindungsstraße von Zell nach Gresgen, mit direktem Blick auf das Zeller Städtchen. Hier ruhen viele unserer Angehörigen, Freunde und Weggefährten aus vergangenen Tagen.
Zwischen den zahlreichen Grabkreuzen fällt das aus rotem Sandstein gearbeitete Gefallenendenkmal ins Auge. Wer den „Gottesacker“ besucht, bleibt hier oft stehen.
Der Blick wandert über die in Stein gemeißelten Namen der gefallenen Zeller Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Wer sie liest, wird still. Spürbar wird, welche Opfer viele Familien zu tragen hatten – einen, zwei oder sogar mehrere Angehörige.
Doch Namen bleiben zunächst Namen. Die Geschichte des einzelnen Menschen verbirgt sich meist im Nebel der Vergangenheit.


„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“
Doch gerade in der heutigen Zeit, wo die Kriegsgeneration nicht mehr selbst berichten kann, in der erneut sinnlose Kriege geführt werden, scheint es wichtiger denn je, die Denkmäler als Mahnung für die folgenden Generationen zu erkennen.
Ziel dieser Themenseite ist es, die Lebenswege der Gefallenen und Vermissten soweit möglich zu rekonstruieren und historisch einzuordnen – und so die Menschen hinter den Namen sichtbar zu machen: Wer waren sie, welches Schicksal hatten sie und was bedeutete ihr Verlust für die Familien?
Erst wenn Bild und Geschichte eines Gefallenen oder Vermissten sichtbar werden, werden Leid und Verlust sowie die Grausamkeit und Sinnlosigkeit eines Krieges wirklich verständlich.
Anzahl der Gefallenen und Vermissten
Auf dem Denkmal in Zell für die im Zweiten Weltkrieg Gefallenen sind derzeit 183 Opfer namentlich aufgeführt. Doch die Liste ist noch immer nicht vollständig. In den vergangenen Jahren sind weitere Namen hinzugekommen, und vermutlich fehlen noch immer Gefallene.
Das Denkmal wird daher auch künftig ergänzt werden – in der Hoffnung, dass eines Tages alle Gefallenen der Stadt Zell namentlich genannt und damit sichtbar erinnert werden
Auf dem Denkmal finden sich „nur“ die Namen der gefallenen Soldaten. Das Schicksal der vielen Vermissten bleibt dagegen oft im Dunkeln. Wahrscheinlich gab es mindestens ebenso viele Soldaten, die als vermisst gelten – Menschen, deren Verbleib bis heute ungeklärt ist.
Gerade die Nachricht „vermisst“ war für die betroffenen Familien besonders grausam. Sie bedeutete nicht nur Verlust, sondern ein Leben im Ungewissen. Ein Funken Hoffnung blieb – manchmal über Jahre, oft ein Leben lang. Viele Angehörige warteten bis zu ihrem eigenen Tod auf die Heimkehr ihres geliebten Menschen.


Vermisstenbildlisten
Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes unternahm in der Nachkriegszeit grosse Anstrengungen zur Klärung von Vermisstenschicksalen.
Zentrale Grundlage waren die Vermisstenbildlisten: In über 200 Bänden sind Millionen Vermisste mit Bild dokumentiert. Mit ihnen wurden aus der Kriegsgefangenschaft entlassene Soldaten gezielt nach ihren Kameraden befragt.
So konnten viele Schicksale geklärt werden – doch von zahlreichen Soldaten fehlt bis heute jede Spur.
Mitwirken
Dieses Projekt lebt von der Unterstützung aus der Bevölkerung des Oberen Wiesentals von Todtnau bis Zell.
Gesucht werden:
– Portraits
– Sterbekärtchen
– Wehrpässe
– Soldbücher
– Geschichten der Gefallenen und Vermissten
– persönliche Erinnerungen
Wenn Sie beitragen möchten, nehmen Sie gerne mit mir Kontakt auf: E-Mail: Markus.Lais@yahoo.de oder Telefon: 0176 47736233
Einzelschicksale sichtbar machen
Hinter jedem Namen steht ein Leben – mit Herkunft, Hoffnungen und Umbrüchen.
Solche Biografien machen sichtbar, was Zahlen nicht zeigen: Lebenswege, Entscheidungen, Zufälle – und das abrupte Ende.
Die Generation der Menschen, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben, ist sehr klein geworden und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die letzten Zeitzeugen verstorben sein werden.
So wollen wir hier das zusammengetragene Wissen über die Verschollenen des Krieges mit ihnen teilen.
Die Verschollenen sind nicht vergessen!

Franz-Xaver Schlageter
Franz Xaver Schlageter aus Zell im Wiesental. Sein Lebensweg führt von der Landespolizei in die Wehrmacht, über Stationen in Freiburg und Frankreich bis an die Ostfront. Dort endet sein Leben 1943.

Karl, Wilhelm-Karl und Rudolf Volpp
Zwei Brüder und ihr Vater aus Zell im Wiesental. Der ältere Wilhelm-Karl kämpft in Afrika und an der Ostsee, seit 1944 vermisst. Der jüngere Rudolf fällt 1944 mit 22 Jahren an der Ostfront. Der Vater Karl stirbt 1945 bei einem Luftangriff im Einsatz der Organisation Todt in Frankreich.

Heinrich Paul Schmittel
Heinrich Paul Schmittel aus Zell im Wiesental. Von der Hitlerjugend freiwillig zur Wehrmacht. Einsatz an der Ostfront, Unteroffizier und Gruppenführer. Gefallen 1944 mit 20 Jahren bei Tscherkassy.
Bildnachweise: Soweit nicht anders angegeben, stammen die Abbildungen aus dem Privatarchiv von Markus Lais, Zell im Wiesental.
