Liebe Mitglieder und Interessierte,
im Zuge unserer laufenden Digitalisierungsarbeiten (Postkarten, Fotografien, Negative, Dokumente usw.) stellt sich zunehmend die Frage, welche Scan-Qualität und Mindeststandards wir für die Zeller Archive festlegen wollen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht um Perfektion oder überzogene technische Anforderungen, sondern um einen gemeinsamen, praktikablen Rahmen, der:
- unsere historischen Bestände langfristig archivfähig sichert,
- spätere Nutzung (Forschung, Publikationen, Web) ermöglicht
- und für uns alle realistisch umsetzbar bleibt.
👉 Ziel dieses Beitrags ist ausdrücklich die Diskussion – es gibt derzeit noch keine festgelegten Regeln.
Diskussionspunkte (als Anregung)
Gerne eure Einschätzungen, Erfahrungen oder auch Gegenargumente zu den folgenden Fragen:
1 Auflösung
Bei der Frage der Auflösung ist es wichtig, zwischen PPI und DPI zu unterscheiden, da diese Begriffe häufig vermischt werden, technisch jedoch Unterschiedliches beschreiben.
PPI (Pixels per Inch) bezeichnet die Auflösung einer digitalen Bilddatei. Sie beschreibt, wie viele Bildpunkte (Pixel) pro Zoll erfasst werden und ist damit entscheidend für:
- die Informationsdichte eines Scans,
- die Detailwiedergabe,
- die Eignung für Archivierung, Forschung und Weiterverwendung.
Maßgeblich ist dabei immer die ppi-Zahl bezogen auf die Originalgröße der Vorlage.
DPI (Dots per Inch) bezeichnet dagegen die Ausgabeauflösung eines Drucksystems. Beim Druck wird ein Pixel meist durch mehrere Druckpunkte (Raster, Farbaufbau) wiedergegeben. Daher sind ppi- und dpi-Werte nicht direkt gleichzusetzen. Ein Bild mit z.B. 300 ppi kann technisch problemlos mit 600 dpi oder mehr gedruckt werden – die dpi-Zahl sagt jedoch nichts über die tatsächliche Bildinformation der Datei aus.
Merksatz: PPI beschreibt die Informationsdichte einer digitalen Bilddatei, DPI die Punktdichte eines Ausgabegeräts.
Welche Auflösung ist für Postkarten und Fotos sinnvoll?
Im Bundesarchiv wird in der Regel mit 400 ppi (bei sehr großen Vorlagen ab DIN A0 mit 300 ppi) bezogen auf die Originalgröße digitalisiert. Ziel ist hier eine verlässliche, langfristige Sicherung der Bildinformation.
Mediafix nutzt für die Foto-Digitalisierung im Standard+-Verfahren 600 dpi (praktisch: 600 ppi), was vor allem auf gute Betrachtbarkeit, Vergrößerungen und moderne hochauflösende Bildschirme abzielt.
➡️ Hier stellt sich für uns die Frage, ob 400 ppi als archivischer Standard ausreichen oder ob 600 ppi in bestimmten Fällen sinnvoll sind.
Wie hoch sollten wir bei Negativen und Dias gehen?
Negative und Dias sind Primärquellen und enthalten deutlich mehr Bildinformation als Fotoabzüge.
Ein zu niedrig angesetzter Scan ist hier nicht reversibel.
Praxisbewährte Richtwerte (bezogen auf die Originalgröße der Vorlage):
Kleinbild-Negative (24 × 36 mm): 4.000–4.500 ppi
→ erfasst den überwiegenden Teil der im Negativ enthaltenen Bildinformation
Dias (Kleinbild): 4.000–4.500 ppi
→ vergleichbare Informationsdichte wie Negative
Höhere Auflösungen (ca. 5.000–6.000 ppi):
→ bieten zusätzliche Reserven für starkes Zoomen, großformatige Ausdrucke oder besondere Einzelstücke, gehen jedoch mit deutlich höherem Zeit- und Speicheraufwand einher
Diese Werte liegen im Bereich dessen, was auch professionelle Digitalisierungsdienstleister, z.B. Mediafix für hochwertige Negativ- und Dia-Digitalisierung einsetzen.
Diskussionsfragen:
- Reichen für die Zeller Archive ca. 4.000 ppi als sinnvoller Standard für Negative und Dias?
- In welchen Fällen wären höhere Auflösungen gerechtfertigt (z.B. besonders bedeutende Motive)?
- Wo liegt für uns der Punkt, an dem zusätzlicher Detailgewinn nicht mehr in einem sinnvollen Verhältnis zu Aufwand, Zeit und Speicherbedarf steht?
- Wo liegt für uns die Grenze zwischen Qualität und Aufwand?
Diese Frage zieht sich durch alle folgenden Punkte:
Nicht alles, was technisch möglich ist, muss archivisch zwingend umgesetzt werden – aber zu niedrige Standards lassen sich später nicht mehr korrigieren.
2 Farbe & Farbtiefe
Immer in Farbe scannen, auch bei Schwarz-Weiß-Vorlagen?
Reichen 24 Bit, oder sollten Masterdateien höher (z.B. 48 Bit) angelegt werden?
3 Dateiformate
TIFF? als Archiv-Master, JPEG nur für Nutzung und Publikation?
Wie stehen wir zum Verhältnis Speicherplatz vs. Qualität?
4 Bearbeitung
Unbearbeitete Masterdateien plus separate Nutzungsdateien?
Welche minimalen Eingriffe sind akzeptabel (z.B. Ausrichten, Staub), welche nicht?
5 Vollständigkeit
Postkarten grundsätzlich Vorder- und Rückseite? Ja
Ränder mit scannen oder eng zuschneiden? Mit scannen
6 Ordnung & Benennung
Brauchen wir ein einheitliches Dateinamensschema? Ja
Wie detailliert sollte es sein, damit es einerseits sinnvoll, andererseits praktikabel bleibt?
7 Wie geht es weiter?
Nach der Digitalisierung folgen Verzeichnung (u.a. mit AUGIAS Express), Archivierung und Publikation.
Auch hier stellen sich weitere Fragen zur Abgrenzung, zum Detaillierungsgrad und zu sinnvollen Workflows zwischen interner Archivierung und öffentlicher Nutzung.
Nach einer offenen Diskussion möchten wir die Rückmeldungen bündeln und daraus eine kurze, gemeinsame Scan-Richtlinie für die Zeller Archive ableiten:
- schlank
- verständlich
- und für alle gut handhabbar.
Wir freuen uns auf eure Meinungen, Erfahrungen und Vorschläge!
Herzliche Grüsse
Felix
… hier noch einige Empfehlungen zu Punkt 1. Auflösung von
a) Bundesarchiv -> Link, und
b) Mediafix, dem Marktführer in der Digitalisierung analoger Medien in Europa:
Anmerkung: Mediafix verwendet in seinen Empfehlungen durchgehend den Begriff „dpi“.
Technisch korrekt handelt es sich hierbei jedoch um die Scanauflösung bezogen auf die Vorlage, also um ppi.
Die angegebenen „dpi“-Werte sind daher als ppi zu lesen (Pixel pro Zoll der Originalvorlage), nicht als drucktechnische dpi.
Diese begriffliche Unschärfe ist in der Dienstleisterpraxis verbreitet und dient vor allem der verständlichen Kommunikation, nicht der präzisen Terminologie.
Herzliche Grüsse
Felix
